Kreisjagdverein Schlüchtern e.V.
Kreisjagdverein Schlüchtern e.V.

Naturlandstiftung im Main-Kinzig-Kreis

Der Kreisjagdverein Schlüchtern e.V. und zahlreiche seiner Mitglieder gehören

dem Verein an.  Als Beauftragter des KJV Schlüchtern ist Peter Könnemann  seit dem Jahr 2004 tätig  und  im Vorstand der Naturlandstiftung Main-Kinzig vertreten. 

Die Naturlandstiftung im Main-Kinzig-Kreis ist ein gemeinnütziger Verein. Mit dem Ziel der Biotopvernetzung für die Lebensgemeinschaften von Tieren und Pflanzen werden Lebensräume übernommen, entwickelt und gepflegt.

Jeder kann Mitglied werden und mitmachen.

Der Vorstand der Naturlandstiftung besteht aus:
- gewählten Vorstandsmitgliedern,
- Delegierten verschiedener V
erbände,
- Vertreter des Kreisausschusses des Main-Kinzig-Kreises, 

- und Vertretern der Städte und  Gemeinden

 1. Vorsitzender ist Michael Göllner.                                                                                                   Auch unser Vereinsmitglied  Eberhard Müller † 31.12.2020gehörte dem                                         Vorstand an.

Rückblick:

Der Kreisjagdverein Schlüchtern e.V. tritt nach intensiver Werbung durch Richard Wegmann †, der  veranlasst, dass im Altkreis Schlüchtern Flächen angekauft werden, am 22.05.1992 als Mitglied in

die Naturlandstiftung im Main-Kinzig-Kreis ein. Der KJV gehört  mit all seinen Mitgliedern der Naturlandstiftung an. Es bestehen darüber hinaus auch Einzelmitgliedschaften.

So  leisten unsere Jäger über die Arbeit im eigenen Revier hinaus gemeinsam mit den beiden Kreisjagdvereinen Hanau und Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis einen finanziellen und ideellen Beitrag zur Naturlandstiftung. Die Stiftung betreut im Kreisgebiet mittlerweile mehr als 250 Naturland-Biotope, davon Feldgehölze und Wildbiotope, Feuchtgebiete und zahlreiche Flächen mit bedrohten Pflanzengesellschaften.

 

Mitglieder unseres Vereins arbeiten ehrenamtlich als „Biberbetreuer“. Hier helfen sie bei Kartierung und Zählung, leisten Überwachungsarbeiten und sind auch bei Informationsveranstaltungen für Besucher präsent.

 

Hier sei eingeflochten, dass Gert Volker Rollmann, Mitglied des KJV Schlüchtern, seit vielen Jahren Biberführungen für Erwachsene und Kinder organisiert und durchführt.

Über 25 Jahre Biberwiederansiedlung in Hessen - Rückblick auf eine Erfolgsgeschichte

Es ist der 13. Oktober 1987, ein bewölkter Herbsttag im Spessart im ehemaligen Hessischen Forstamt  Sinntal. Im Wolfsgraben am Rande des Naturschutzgebietes Westerngrund wartet seit Stunden Ministerin Irmgard Reichardt mit zahlreichen Vertretern der Medien und Mitarbeitern des Forstamtes Sinntal auf das Eintreffen einer wertvollen Fracht: Drei Paare Elbebiber aus der Dübener Heide bei Dessau in Sachsen-Anhalt. Die vermutete Ankunft hat sich verzögert. In Gräfenhainichen mussten bei der Volkspolizei die Pässe gestempelt werden, an der innerdeutschen Grenze gab es einen weiteren Aufenthalt. Der Grenztierarzt musste die DDR“ Umsiedler“ begutachten. Diese saßen einzeln in ihren Transportkisten. Ferner musste die Grenzpolizei prüfen, ob vielleicht noch Republikflüchtlinge in den Kisten oder dahinter versteckt waren. Heute lachen wir über die Episoden, aber damals war es   Realität.

Inzwischen sind es über 25 Jahre her, dass die ersten sechs ehemaligen DDR-„Bürger“ in den Westen durften. Im Jahre 1988 folgten noch weitere 12 Biber. Was ist in dieser Zeit aus ihnen und dem Projekt „Biberwiederansiedlung in Hessen“ geworden?

Im Jahre 2003 habe ich bereits über einige Entwicklungen in den Anfangsjahren berichtet. In der Prognose von damals schrieb ich, dass bei gleicher Wiederbesiedlungsgeschwindigkeit die Biber  in den nächsten Jahren die bayrischen Landkreise Würzburg und Aschaffenburg sowie den Landkreis Fulda erreichen. Wenn wir uns nun die aktuelle Verbreitung anschauen, erkennen wir, dass inzwischen weitere hessische Landkreise (Vogelsberg, Wetterau, Hersfeld-Rothenburg, Odenwald, Darmstadt-Dieburg, Offenbach, Gießen und mittlerweile sogar Kassel) erreicht wurden. Den Schwerpunkt der Besiedlung bildet nach wie vor das Aussetzungsgebiet im ehemaligen Forstamt Sinntal, jetzt in den Forstämtern Jossgrund und Schlüchtern. Im Süden kam es zu einem Lückenschluss am Main und an der Tauber. Hier haben sich die hessischen Biber mit den süddeutschen aus Bayern und Baden-Württemberg vereinigt. Nach Norden über das Gewässersystem wird es zu einer weiteren Verdichtung der begonnenen Besiedlung kommen. Nach Westen und nach Osten wird es in den kommenden Jahren ebenfalls zu Wiederbesiedlung alter Lebensräume kommen. Von den ersten sechs Bibern aus 1987 ist die Zahl der hessischen Biber inzwischen auf über 300 angewachsen. Zur Erinnerung: der letzte hessische Biber wurde 1596 an der Gersprenz gefangen und verspeist.

Wichtiger und wertvoller für eine Lagebeurteilung ist aber die Zahl der Ansiedlungen. Hier haben wir in Hessen nach 25 Jahren 87 Reviere kartiert, am Ende des Jahres 2013 wurde die Zahl 100 überschritten.

 

Der Biber ist als Landschafts- und Lebensraumgestalter einzigartig, vor allem natürlich dort, wo er Dämme bauen kann und darf. Hier kommt es dann aufgrund der eng beieinander liegenden Kleinbiotope zu einem rasanten Anstieg der wasserabhängigen Arten von Pflanzen und Tieren. Für Libellen, Schnecken und Muscheln sowie Köcherfliegen ist dies bereits wissenschaftlich belegt (Harthun 1998). Die Veränderungen der Fischfauna, der Amphibien und Reptilien sowie der Vogelwelt sind ebenfalls gravierend, aber noch nicht untersucht. Hier gibt es noch Raum für Master- und Doktorarbeiten oder auch Forschungsaufträge.

Erkenntnisse aus über

25 Jahren Bibermanagement

Biber sind außerordentlich anpassungsfähig und wenig störanfällig, sie kommen sowohl in einer Wildnis zurecht, als auch in unserer Kulturlandschaft.

Der begrenzende Faktor für eine selbständige Ansiedlung ist das natürliche Nahrungsangebot an Weichhölzern und verschiedenen Krautpflanzen, es ist nicht das Wasser!

  • Ein begleitendes Management vor Ort ist in unserer vom Menschen über Jahrhunderte veränderten Landschaft unerlässlich. Dazu gibt es für alle auftretenden Probleme und Situationen erprobte, passende Lösungen. Erste Ansprechpartner vor Ort sind die vielen ehrenamtlichen Biberbetreuer, die auch während des Jahres Daten sammeln und Veränderungen oder Probleme an die Koordinierungsstelle weiterleiten. Diese ist zurzeit die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium in Darmstadt.
  • Die Zurücknahme der Nutzungen aller Art entlang der Gewässer (ca. 10-15m jeweils beidseitig) ist eine zentrale Forderung der Auenrenaturierung, und zwar mit und ohne Biber. Dazu gibt es mehrere Ansätze. Am besten und langfristig sichersten haben sich Ankäufe erwiesen.
  • In Waldbereichen sollten die Nadelhölzer entlang der Gewässer schrittweise zurückgenommen werden. Für forstliche Kulturen ist ein Mindestabstand von 50 m anzustreben. Ein Einzelschutz von wertvolleren Bäumen ist möglich.
  • Die meisten Verluste an Bibern sind dem Straßenverkehr zuzuordnen. Sollten Straßenabschnitte entlang von Bibergewässern verlaufen, können diese mit einem ca. 1m hohen Knotengeflecht wirksam gesichert  werden. Eine Abstimmung mit der Straßenmeisterei ist selbstverständlich.
  • Ackerflächen haben in Auen- oder Überflutungsbereichen nichts verloren. Sie führen immer zu Mutterbodenverlusten und Einschwemmungen von Dünge- und Spritzmitteln in die Gewässer.
  • Im Vordergrund aller Überlegungen muss ein intakter Lebensraum stehen, nicht einzelne Tierarten!
  • Ohne eine ausgewogene Öffentlichkeitsarbeit ist ein derartiges Projekt weniger oder gar nicht erfolgreich. Dazu dienen zahlreiche Exkursionen und Wanderungen mit Interessierten, aber auch der 1997 nach 10 Jahren Biberwiederansiedlung in Hessen angelegte Informationspfad am Willingsgrundweiher in  Sinntal-Breunings.

Fazit:

Nach mehreren Jahrhunderten Abwesenheit ist der Europäische Biber wieder ein Mitglied der heimischen, hessischen Säugetierfauna geworden. Er ist nicht nur >unser kleiner Bruder<, wie die Indianer  in Nordamerika in nennen und verehren, sondern auch unser Biodiversitäts-Motor entlang der Gewässer, der wie kein anderes Tier seinen Lebensraum gestalten und verloren gegangene Biotope auch für andere Tiere und Pflanzen rekonstruieren kann und das noch außerordentlich kostengünstig. Hochwasser-Ereignisse wird er nicht verhindern, aber durch seine Dammbautätigkeit in den Oberläufen der Flüsse und Bäche sowie den Eintrag von (Tot-)Holz kann er die Abflussgeschwindigkeit verringern und so zumindest den   Wasser-Haushalt positiv beeinflussen.

Ohne den Weitblick von Professor Fröhlich, dem früherenLeiter der Hessischen Landesforstverwaltung und den unermüdlichen und mutigen Einsatz von FD a.D. Helmut Kreusler (verst. Aug. 2013), damals Leiter des Forstamtes Sinntal, sowie seinem Nachfolger Hubertus Langer wäre das Biberprojekt nicht realisiert worden bzw. so erfolgreich geworden. Nicht vergessen wollen wir auch die vielen ehren amtlichen Biberbetreuer der                                                                                   letzten 25 Jahre.

Durch Biber seit 1990 renaturierte Auen-

landschaft an der  Jossa

                                                                 

Im Spessart und den angrenzenden Gebieten ist der Biber wieder zur Selbstverständlichkeit  geworden. Aufmerksame Wanderer werden ihn gelegentlich sehen können. Wenn er in den nächsten Jahren noch neue (alte) Lebensräume zurückgewinnt, sollten wir ihn freundlich empfangen.

 

 

Bericht und Fotos. FAR a.D. Rainer Loos

Ehemaliger Biberprojektbeauftragter im Forstamt Sinntal

Jubilare 2021

 

Aktuelle Termine           des KJV, DJV, LJV und der Unteren Jagdbehörde

 

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