Kreisjagdverein Schlüchtern e.V.
Kreisjagdverein Schlüchtern e.V.

Ist der zivilisierte Jäger ein Museumsstück? Vortrag zur Jahreshauptversammlung KJV Schlüchtern am 29.März 2014

 

 

Kreisjagdberater Hans-Peter Fuß

während seines Vortrages.

 

 

 

 

Foto: G. Engelbert

Sehr geehrter Vorstand,

sehr geehrte Gäste, verehrte Jägerinnen und Jäger,

in Anlehnung an den Titel des Festvortrages von Prof. McCarthy zum

75. Jubiläum des Deutschen Jagd- und Fischereimuseums München, möchte ich Bericht erstatten zu meiner Tätigkeit als Jagdberater.

 

Während sich Prof. McCarthy, mit dem Sinn und der Aufgabe des Jagd – und Fischereimuseums befasste, möchte ich sie auf die aktuellen Entwicklungen im Jagdwesen aufmerksam machen. Dabei liegt der Schwerpunkt meiner Ausführungen darauf, Bewusstsein zu schaffen für Veränderungen, die sich rund um das Jagdwesen entwickeln.

Bevor ich auf den Inhalt eingehe, bleiben die beiden Fragen zu klären:

„Was ist ein zivilisierter Jäger?“ und „Was gehört in ein Museum?“

 

In den folgenden Ausführungen verstehe ich unter einem “zivilisierten Jager” den gut ausgebildeten Jäger, dessen Praktiken, basierend auf alten Jagdtraditionen, mit den heutigen Erkenntnissen der jagdökologischen Forschung übereinstimmen.

Der zivilisierte Jäger bzw. die zivilisierte Jägerin ist zu unterscheiden vom

n i c h t zivilisierten Jäger. Dieser hält einfach nur drauf, ähnlich wie Wilderer, ohne Tierschutz und ohne Nachhaltigkeit im Sinn zu haben.

Bleibt noch zu klären, wann der zivilisierte Jäger in ein Museum gehört. Nach Überzeugung der Wissenschaft sollen Museen Zeugnisse der Geschichte bewahren und zeigen. Sie sollen Kultur anschaulich machen. Mit der Wahl des Titels verweise ich somit auf die Möglichkeit, dass das Ende der zivilisierten Jagd erreicht sein könnte.

Zurück zu den Veränderungen:

Äußerlich besonders auffällig sind Veränderungen des Lebensraumes Natur durch die Versiegelung von Land- und forstwirtschaftlichen Flächen.

Das ist eine Entwicklung die mit den stetig wachsenden urbanen Ballungsräumen und dem einher gehenden Ausbau der Verkehrswege begründet ist. Nach Auskunft des Umweltbundesamtes hat sich während der letzten 60 Jahre die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland mehr als verdoppelt. Im Jahr 2011 wurde täglich eine Fläche von 74 Hektar neu ausgewiesen, meist zulasten der Landwirtschaft und fruchtbarer Böden. Das entspricht etwa der Größe von 113 Fußballfeldern. Ökologisch wertvolle Flächen werden in Bauland und Standorte oder Trassen für Infrastrukturen wie Kläranlagen, Flugplätze, Straßen oder Bahnlinien umgewidmet. Negative Umweltfolgen sind unausweichlich.

· Flächenverbrauch vernichtet wertvolle Bodenstrukturen.

· Ländliche Gebiete werden zersiedelt.

· Zusammenhängende Landschaftsräume für unsere Tier- und Pflanzenwelt  

  gehen verloren.

Der Landschaftsverbrauch sowie die stetig wachsende Nachfrage nach Biostoffen für die Energieerzeugung, führen zu signifikanten Einschränkungen der Lebensräume des Wildes.

Damit geraten die Biotopstrukturen für Wildarten und Fischbestände zunehmend unter Druck, existentiellem Druck!

Mit der verstärkten Anwendung von Pestiziden (Pflanzenschutz) sowie Herbiziden (Unkrautbekämpfungsmittel) werden Flora und Fauna massiv verändert.

Die Verarmung in der Artenvielfalt ist nur eine der kaum umkehrbaren Folgen dieser Entwicklung. Die verschwindenden Randstrukturen und Brachflächen als wichtige Nahrungshabitate für das Niederwild führen zu einer weiteren Situationsverschärfung.

 

Dr. Tillmann vom Institut für Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover zeigt auf, dass die Besatzeinbrüche bei Rebhühnern und die Abnahme der Insekten zusammenhängen. Demnach ist der Einsatz von Pestiziden dafür verantwortlich.

Er weist darauf hin, dass die Insektendichte von der Anzahl und dem Vorkommen von Wildkräutern beeinflusst wird (Beitrag in W&H Nr. 11 vom 6. Juni 2013). Mit anderen Worten lautet diese Logik:

„Je weniger Wildkräuter, desto weniger Insekten, desto weniger Artenvielfalt, desto größer die Verarmung der Habitate.“

 

Unabhängig davon haben wir uns zu vergegenwärtigen welchen Einfluss der massive Ausbau der Energiepflanzen auf den Naturhaushalt hat.

Als gesichertes Wissen gilt, dass der Ausbau energetischer Biomasse mit deutlichen Veränderungen der Lebensräume für Flora und Fauna verbunden ist. Der Einfluss auf die Wildtierhabitate ist negativ. Es besteht die Vermutung, dass der großflächige Anbau von Energiepflanzen wie z.B. Mais heimischen Arten keine geeigneten Lebensräume mehr bieten. Wesentliche Beeinträchti-gungen werden auch im Ausbau von sogenanntem Ganzpflanzensilage-getreide (GPS-Getreide) gesehen. Veränderte Erntezeitpunkte fallen in die Brut- bzw. Setzzeiten zahlreicher Tierarten. Beispiele sind: Bodenbrütende Vögel, Feldhase, Reh usw. Der Einfluss auf diverse Wildtierarten ist gravierend.

 

Weiterhin stehen seit geraumer Zeit die Rückstände von Biogasanlagen in Verdacht, eine tödliche Krankheit zu verbreiten - Botulismus .

Botulismus ist eine Vergiftung, die durch ein Neurotoxin (Nervengift) verursacht wird.

Dieses Gift wird durch das Bakterium der Gattung Clostridium botulinum produziert. Vom Darm gelangt es über den Blutkreislauf in den Körper. Das Botulinumtoxin ist das stärkste bekannte bakterielle Gift! Bereits 10-8 g sind für Menschen letal (tödlich).

Wie kommt es zu dieser Entwicklung?

Die Erntemaschinen werden immer schneller, erfassen Wildtiere und häckseln sie, ob Jungvogel, Wildschwein oder Reh. Die gehäckselten Tierreste gelangen in das Gärsubstrat. Bei ca. 40 Grad Celsius Gärtemperatur können sich danach Verwesungsbakterien optimal vermehren und botulinumhaltiges Leichengift produzieren. Darüber hinaus bildet das Bakterium enorm widerstandsfähige Botulinumsporen. Mit dem Gärschlamm als Dünger landen die Sporen in die Natur und können von Mensch und Tier aufgenommen werden.

Das Risikomaterial gelangt so in den Nahrungskreislauf.

Brisant ist die Tatsache, dass der Großteil der Biogasanlagen von Landwirten als Investitionsobjekt betrieben wird.

Die Landwirte sind wiederum als Jagdrechtsinhaber die Vertragspartner der Revierpächter.

Nach Informationen der Agentur für erneuerbare Energien spielt die Landwirtschaft eine zunehmende Rolle in der Energieerzeugung. Vor allem durch den Anbau von Bioenergie und die Nutzung von Biogas sowie von Photovoltaik und als Verpächter von Flächen für Windenergie.

Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland investierten von 2009 bis 2012 rund 18,2 Milliarden Euro in Erneuerbare-Energien-Anlagen, wie aus Daten des Deutschen Bauernverbandes hervorgeht. Das entspricht einem jährlichen Investitionsaufkommen von ca. 6 Milliarden Euro. Bei einer Verzinsung von ca. 7% bis 10% werden Kollateralschäden bei Wildtieren in Kauf genommen. In Hessen existieren zum Stand „Oktober 2012“ rund 168 Biogasanlagen. (Quelle: Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen)

Mit meinen Ausführungen erhoffe ich deutlich zu machen, mit welchen Veränderungen sich das Jagdwesen zu befassen hat. Um der aufgezeigten Gesamtentwicklung wenigstens einen gebremsten Verlauf zu geben, ist die Allianz zwischen engagierten Jägern, der Land – und Forstwirtschaft sowie dem Naturschutz zwingend erforderlich.

Aus der Standortbestimmung Jagd, verabschiedet auf dem Bundesjägertag am 31. Mai 2013 in Marburg zitiere ich dazu wie folgt: „Jagd ist auch eine mit dem Eigentum verbundene, verfassungsmäßig begründete, gesellschaftliche Aufgabe. …..usw. Die Verantwortung tragen Jagdausübungsberechtigte, Grundeigentümer und Bewirtschafter der Flächen gemeinsam. ……usw.“ Zitatende.

Die momentane Entwicklung in der alltäglichen Praxis scheint leider, abseits der DJV Standortbestimmung, anders zu verlaufen.

 

Bei vielen Jägern in unserer Region steht das Schalenwild – Rotwild, Sauen, Rehwild – und dabei die jeweiligen Trophäenträger - im Vordergrund.

Andere Wildarten, insbesondere das Niederwild sowie der Arten- und Naturschutz geraten vollkommen in Vergessenheit. Ebenso ist erkennbar, dass das Verständnis über die wildbiologischen Zusammenhänge bei vielen Jägern nur rudimentär vorhanden ist.

 

In meinen Ausführungen über die Veränderungen rund um das Jagdwesen möchte ich Ihnen auch den gesellschaftlichen Aspekt ins Blickfeld rücken.

Beispiel dafür sind die gestressten Stadtbewohner, die zunehmend Entspannung in der Natur bzw. in dem was von ihr übrig geblieben ist, suchen. Dabei tragen sie zur Störung und teilweise zur Zerstörung von Habitaten bei. Beispielhaft für die Störung von Habitaten nenne ich die modere Schatzsuche auch Geocaching genannt. Der Naturschutz und die

Jagd haben Probleme mit dem Geocaching. Insbesondere wenn empfindliche

Pflanzenbestände zertreten oder Tiere in ihren teils geschützten Lebensräumen gestört werden. Der resultierende Einfluss auf das Jagdwesen ist enorm.

Aus dem bisher Gesagten halten wir fest:

· Die Entwicklung in den Biotopstrukturen verändert die Jagdbedingungen.

· Der einhergehende Wandel in unserer Gesellschaft, im Verständnis der  

Jagd, wirkt situationsverschärfend.

· Heute ist mehr wie in der Vergangenheit die Bedeutung der Jagd für den

  Natur- und Artenschutz hervorzuheben.

· Erfolgreicher Natur- und Artenschutz ist nur in der Verbindung von Maßnahmen   des Biotop- und Prädatoren-Managements möglich. Die Maßnahmen müssen großflächig angelegt und in Kooperation mit anderen Naturnutzern durchgeführt werden. Weiterhin darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich die Motivation der Jäger zur Jagd sukzessive verändert haben.

Der Anteil der Jäger für die die Jagd als zentrale Lebensaufgabe verstanden wird ist abnehmend. Der Anteil der Jäger für die die Jagd Freizeitbeschäfti-gung ist nimmt zu.

Die Zugangsmotive zur Jagd haben sich geändert. Das grundsätzliche Interesse für Natur, Wald und Wildtiere ist das Hauptmotiv für die Ausübung der Jagd geworden.

Es ist zu beobachten, dass die mangelnde Zeit für die Jagdausübung des modernen Jägers sowie das abnehmende jagdhandwerkliche Können, durch Technikeinsatz ausgeglichen werden sollen.

Nach einer umfassenden Studie der Suhler Merkel-Gruppe, die sich mit der Entwicklung der Jägerschaft beschäftigt, wird der moderne Jäger als „Jäger 2.0“ typisiert. Danach hat der „Jäger 2.0“ zwar einen Jagdschein – unterscheidet sich aber ansonsten fundamental von seinen Jagdkollegen. Er hat weder die Zeit noch das Interesse, ein Revier zu pachten und zu

bewirtschaften. Ebenso fehlen Motivation und Interesse sich handwerklich bei der Revierbewirtschaftung zu engagieren. Die Jagd ist sein Hobby. - Er holt sich jagdliche Erlebnisse bei Jagdreisen oder Jagdeinladungen.

 

Der „Jäger 2.0“ ist für die Ausstattungsindustrie ein sehr interessanter Kunde. Freizeit will professionell ausgestattet sein. So wird das Hauptthema bei vielen Diskussionen unter Jägern des Typus 2.0 mit der Klärung von Ausrüstungs-fragen bestimmt. Stickworte dazu sind Nachtsichtzieloptik, Weitschuss-präzisionswaffen und Munition, Spezialanzüge und Duftstoffe die den Jäger möglichst unabhängig von den bestehenden Wildverhältnissen machen. Auch die mit dem Handy vernetzten Wilduhren haben Konjunktur. Anruf: „Sau an der Kirrung!“

Die wichtigen und zukunftsweisenden Fragestellungen nach gemeinsamen

Bewirtschaftungsmodellen der Jagd und deren Umsetzung in den Hegegemeinschaften treten bedauerlicherweise in den Hintergrund. Ebenso bleiben die ethischen Grundsätze bei der Jagdausübung auf der Strecke.

Mit dieser Entwicklung wird das Jagen mehr und mehr zum puren Liquidieren von wildlebenden Tieren und entfernt sich zunehmend moralisch, inhaltlich und methodisch von der klassischen Jagd.

Der Jagdschriftsteller Gert von Harling klassifiziert die neuen technologischen

Entwicklungen im Jagdwesen als nicht waidgerecht ein. (Erzählung, „Plädoyer für einen Hochsitz” 1998) Er behauptet: “Manche Schützen meinen, sie jagen, doch sie haben lediglich das bürokratische Liquidieren von Lebewesen übernommen, indem sie den wilden Tieren noch bessere Waffen, noch

stärkere Optik, noch höhere Sitze entgegensetzen …..“ Zitatende.

 

Auch Wildmeister Gerold Wandel bewertet die Lage der Jagd als prekär. In einem Beitrag formuliert er dazu wie folgt: Die komplexen wildbiologischen Erkenntnisse übersteigen die Fassungskraft allzu vieler Jäger, oder sie haben sich bereits mit der neuen, primitiven Jagd

arrangiert.“ ……..Zitatende. (W&H Nr. 12, 20.Juni 2013).

 

Wie bereits angesprochen gibt es Hinweise darauf, dass die Jagd heute bei vielen Jägern zur Freizeitbeschäftigung, neben anderen Freizeitaktivitäten, mutiert ist.

Die Mehrheit der Menschheit erfährt „Natur“ heute vor allem als Freizeit-vergnügen und kaum noch als notwendige Lebensgrundlage. Dazu der folgende Hinweis:

Der Anteil der Erwerbstätigen in der Land- /Forst- und Fischereiwirtschaft lag 1950 bei 24,6 %. Im Jahr 2013 ist die Zahl auf ca. 1,5 % zurückgegangen. (Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2014).

Mit einem Blick zurück in unserer Geschichte wird deutlich, dass bis etwa 1933 die Pacht von Jagden in erster Linie durch die Zielsetzung des Wildbreterwerbs motiviert war. Mit der Machtübernahme der National-sozialisten folgten eine Aufwertung der Trophäenjagd und die

Einführung strenger Hegerichtlinien. Damit einhergehend war die Zunahme der Wildbestände und auch der Schäden im Wald sowie den landwirtschaftlich genutzten Flächen. Diese Entwicklung hält bis heute an. Damit wächst der Rechtfertigungsdruck auf die Jäger und Jagdverbände, ihre Motive und Ihr Handeln plausibel zu erklären.

 

Die mit der Jagd verfolgten Zielsetzungen sind derzeit weitgehend selbst gesteckte Zielsetzungen.

Die Orientierung der Zielsetzung steht nicht in ausreichendem Maß in Einklang mit den Zielsetzungen aus Land- und Forstwirtschaft. Demzufolge wird von den wenigsten privaten Jägern die Vermeidung von übermäßigen Schäden an landwirtschaftlichen Flächen sowie dem Wald als wesentliches Motiv für ihre Jagd genannt.

Auch die Natur- und Artenschutzfunktion der Jagd, unter dem Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit, ist in den Hintergrund getreten. Wer will glaubhaft vermitteln, dass er für viel Geld eine Jagd pachtet um dann als wesentliches Ziel die Schadensbegrenzung durch Wild sowie den Natur- und Artenschutz zu betreiben?

Dass die Jagd als ein aus dem Eigentumsrecht abgeleitetes Recht zur Nebennutzung des Grundeigentums anzusehen ist, ist vielen Jägern nicht gegenwärtig. Bereits seit 150 Jahren ist das Jagdrecht in Deutschland untrennbar mit dem Grund und Boden verbunden.

Ebenso verbindet das Jagdrecht in Deutschland, in vorbildlicher Weise, das Recht zum Nutzen mit der Pflicht zum Schützen. Dieses bewährte System ist in Gefahr geraten.

Auf Grund von Entwicklungen in unserer Gesellschaft und der Politik, besteht derzeit die Gefahr, dass das bestehende Jagdrecht zwischen Politik, Wildbiologie und „Ökotyrannei“ zerbröselt wird.

Denken Sie dabei zum Beispiel an das Urteil des europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte vom 26.Juni 2012. Danach dürfen Grundeigentümer nicht verpflichtet werden, gegen ihren Willen die Jagdausübung auf eigenen Grundstücken zu dulden.

Inzwischen ist klar festgelegt (BJG § 6), dass die ethische Einstellung des Grundeigentümers für die Befriedung der Jagd maßgeblich ist. Dass Ethik gemeinhin nicht teilbar und die Befriedung folglich nur bei Grundstücken natürlicher Personen möglich ist, stört den NABU ungemein.

Ein anders Beispiel aus der gegenwärtigen Entwicklung ist der ausgeübte Druck auf die Jäger, bleifreie Munition zu verwenden, obgleich deren Wirkung unzureichend ist. Die Schärfe und der Dogmatismus in der Diskussion zur Verwendung von bleifreier Munition sind erschreckend (Zitat aus W&H Nr. 8 vom 18.04.2013).

Ansätze dass das bestehende Jagdrecht ausgehöhlt wird, sind erkennbar und werden von den Jagdgegnern weiter vorangetrieben.

Argumente dazu liefern in nicht seltenen Fällen auch die Jäger selbst. Denken sie dabei an die Tatsache, dass sich die Jagdpachtpreise wesentlich an der Wahrscheinlichkeit orientieren, starke Trophäenträger erlegen zu können. Dabei werden die Belange der Land und Forstwirtschaft sowie Natur- und Artenschutzaufgaben zuweilen zweitrangig behandelt.

Ein weiteres Bedenken erregendes Beispiel ist die mangelhafte Zusammenarbeit innerhalb der Hegegemeinschaften. Die Frontenbildung zwischen privaten Jägern und den Vertretern der Forstpartie ist erschreckend. In weiten Bereichen wird dabei in Kauf genommen, dass die

verordnungs-gebundenen Grundfunktionalitäten von Hegegemeinschaften nicht mehr vernünftig funktionieren. Damit wird die gesamte Wirkung und Daseinsberechtigung von Hegegemeinschaften in Frage gestellt! Eine angemessene und der Land-und Forstwirtschaft dienliche Abschussplanung und Abschussplanerfüllung wird erheblich erschwert. Dies alles ohne plausible Gründe. In Vielen Fällen erscheinen niederen Beweggründen, wie Misstrauen, Neid, Selbstüberschätzung etc. das Motiv für bestimmtes Verhalten zu liefern.

Als Beispiel für das verbesserungsbedürftige Zusammenwirken in den Hegegemeinschaften nehme ich die Rehwildabschussplanung der Planjahre 2013/2014 – 2015/2016:

Hier haben von 17 Hegegemeinschaften im Verwaltungsgebiet des MKK lediglich eine Hegegemeinschaft von den Möglichkeiten des Hess. JG § 26 b: „Besondere Abschussregelung“, Gebrauch gemacht. Hier ist Aufklärungs- und Korrekturbedarf zu erkennen.

Zu dem Dauerthema „Wildschäden“ gebe ich zu bedenken, dass hohe Wildschäden häufig durch falsche Wildbewirtschaftung und falschen Waldbau verursacht werden.

Der Einfluss des Wildes wird nicht ausreichend berücksichtigt.

(www.forstpraxis.de _ 17/ 2011 AFZ-Der Wald; 3.Denzlinger Wildtierforum 2011). Es ist ein Irrtum zu glauben, dass alle Probleme allein dadurch gelöst werden, indem man die Wildbestände reduziert.

Sicherlich ist die Regulierung der Wildbestände wichtig und notwendig. Jedoch auch die Land – und Forstwirtschaft sowie die Raumplanung müssen Rücksicht auf Wildlebensräume nehmen und Maßnahmen ergreifen, damit Wildschäden verringert werden und eine effiziente Bejagung ermöglicht wird. „Wer Lebensräume ohne Wildschaden will, will eine Nulllösung!“

In der Koalitionsvereinbarung von CDU und Bündnis 90/Die Grünen in Hessen, ist für die Legislaturperiode von 2014 bis 2019 (Auszug) u.a. zu lesen:

Zitat: ….“Dabei sollen die Wildbestände in einem fairen Interessenausgleich von Wald und Wild an die Tragfähigkeit des Ökosystems angepasst werden.“ …. u.a. ist ebenso zu lesen, dass das Hessische Jagdgesetz in seiner derzeitigen Fassung Bestand hat.

Hier noch ein Wort zur Wildschadenverhütung durch die Jagd:

Heute kommen immer wieder dort wenig zivilisierte Jagdmethoden zum Einsatz, wo es darum geht, Wildschadenverhütung zu betreiben. Wie bereits erwähnt, bleiben dabei die ethischen Grundsätze auf der Strecke und das Jagen wird zum puren Liquidieren von wildlebenden Tieren. Die so praktizierenden Jäger entfernen sich dabei moralisch, inhaltlich und methodisch von der klassischen Jagd.

 

An dieser Stelle erinnere ich mich an ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Jagdvereins Hubertus Altkreis Büdingen e.V., Andreas Mohr zu der folgenden Fragestellung: „Für welche Jägerschaft stehen eigentlich die Jagdvereine? Sind es die zivilisierten Jäger oder zunehmend diejenigen, denen Waid-gerechtigkeit ein Fremdwort ist?“ Daran schließt sich die Frage an die Vorstände der Jagdverbände wie folgt an:

„Für welche Gruppe der Jägerschaft setzen sie sich ein?“ „Die zivilisierten Jäger oder die nicht zivilisierten Jäger?“ Beide Gruppen stehen in einem diametralen Gegensatz was die Jagdpraxis betrifft.

Dass eine Organisation nicht beide Gruppen vertreten kann ohne die eigene Glaubwürdigkeit zu verlieren ist naheliegend. Die Klärung dieser Fragestellung ist offen. Mit der Klärung dieser Grundsatzfrage ergibt sich auch die Antwort auf die Fragestellung in meinen Vortragstitel. Ob der zivilisierte Jäger ins Museum wandert oder die Zukunft bestimmt, das wird sich dann entscheiden.

Der Weg ins Museum wird wahrscheinlich, wenn die Veränderungen der Lebensräume sowie die gesellschaftlichen Veränderungen von den Jägern ignorant behandelt werden.

Die Ignoranz und Gleichgültigkeit mit der viele Jäger und Jagdorganisationen diesen Entwicklungen gegenüberstehen ist ernüchternd. Diese Ignoranz lässt dringend erforderliche Reformdiskussionen in den Jagdvereinen und im Landesverband bereits im Ansatz ersticken. Darüber hinaus schwächt die Stagnation bei den Mitgliederzahlen sowie bei der Einnahmesituation die Handlungsfähigkeit der KJV‘s und LJV‘s.

Persönlich habe ich mich für die Zukunft entschieden und trete ein für die zivilisierte Jägerei.

Dies tue ich insbesondere bei der Ausübung meines Amtes als Jagdberater sowie in meiner Funktion als Vorsitzender des Jagdbeirates im MKK. Dabei lasse ich mich von der folgendenZielsetzung leiten:

· Die nachhaltige Nutzung des Wildes zu gewährleisten und einen naturnah

  strukturierten Wildbestand zu fördern.

· Die Artenvielfalt und die Lebensräume der einheimischen Wildtiere zu

  erhalten und bedrohte Arten zu schützen.

· Auf die Ausübung von Freizeitaktivitäten möglichst so Einfluss nehmen, dass

  die Bedürfnisse der Wildtiere weitgehend berücksichtigt werden.

· Von Wildtieren verursachte Schäden auf ein tragbares Maß begrenzen.

· Eine attraktive, traditionsverbundene und waidgerechte Jagdausübung zu

  fördern.

· Die Zusammenarbeit von Jagd, Forst- und Landwirtschaft, Schutz-

  organisationen sowie Behörden zu fördern.

 

Mir ist absolut bewusst, dass ich damit den unbequemeren Weg eingeschlagen habe.

Ich tue dies jedoch in der Hoffnung, aufrechten Wegbegleitern zu begegnen und einer guten Sache zu dienen.

 

Kreisjagdberater Altkreis Schlüchtern

 

Hans-Peter Fuß, Eschenstraße 17, 63505 Langenselbold,

Tel.: +49 (6184) 62163,

hans-peter.fuss@ifigmbh.com;

Jubilare 2018

 

Aktuelle Termine           des KJV, DJV, LJV und der Unteren Jagdbehörde

 

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© Jürgen A. Schmidt

Neue Wege zu beschreiten, heißt auch offen dem Neuen gegenüber zu sein!