Kreisjagdverein Schlüchtern e.V.
Kreisjagdverein Schlüchtern e.V.

Die Sache mit den Alttieren.....?

Gastbeitrtrag zur Rotwildbejagung von Rainer Loos

Es ist unbestritten: Das schwierigste am Rotwild-Management in unseren Kulturlandschaften war, ist und bleibt der Umgang mit den Zuwachsträgern Alt- und Schmaltieren. Während es bei den Schmaltieren noch recht einfach ist, das eine oder andere zu erlegen, ohne dass man auf Kälber achten muss, ist es bei den Alttieren umso schwerer.  Oft  werden Schmaltiere  überproportional viele erlegt, was zu einer Überalterung der Alttiere führen kann.

Es ist eine alte Tatsache, dass  jedes Jahr viele Alttiere erlegt werden müssen. Die Richtlinien der Rotwildgebiete gehen meist von 40-45% aus. Die große Frage ist nun: Wie bekommt man das  handwerklich und gesetzeskonform hin. Fast alle Alttiere führen Kälber, nichtführende sind zu Beginn der Jagdzeit im August selten, Geltalttiere noch seltener.  Oft wird dann auf Schmaltiere ausgewichen  und die erforderliche Erlegung  von Alttieren wird verschoben oder unterbleibt, oder was das schlechteste Szenario ist,  man gerät mit der fortschreitenden Jagdzeit unter Druck. Die Folge ist dann die Erlegung führender Alttiere. Das ist natürlich das schlimmste, was einem Rotwildkalb wiederfahren kann, der Verlust der Mutter.  Die verwaisten Kälber kümmern, wenn sie überhaupt den ersten Winter überleben. Eine Adoption findet nicht statt, auch kein Anschluss an ein Rudel. Der Gesetzgeber möchte dies verhindern und hat im § 22 (4)  BJG eine klare Regelung getroffen:

    In den Setz- und Brutzeiten dürfen bis zum Selbständigwerden der Jungtiere die für die Aufzucht

    notwendigen Elterntiere, auch die von Wild ohne Schonzeit, nicht gejagt werden.

Dieser Grundsatz ist  nicht verhandelbar.

Im § 38 BJG werden Verstöße als Straftaten gewertet und mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe geahndet, es ist also absolut kein Kavaliersdelikt!

Bei den Rotwildkälbern erfordert  noch die Frage des Selbständigwerdens ein genaueres Hinsehen. In den ersten Lebensmonaten werden diese noch gesäugt, im ersten Herbst klingt das allmählich aus. Entgegen von z.B. Reh- oder Schwarzwild brauchen die Kälber noch  mindestens das ganze erste Lebensjahr, um selbständig zu werden. Auch im zweiten Lebensjahr können sie als Schmaltiere oder Schmalspießer noch  lange bei der Mutter und einem neuen Kalb  beobachtet werden. Dies bedeutet, dass die Kälber nach dem Ende der Säugezeit bis zum Ende der Jagdzeit zum Jahresende oder bis Ende Januar auf keinen Fall selbständig sind,  die Alttiere logischerweise für die Zeit unter dem Schutz des § 22 stehen.

Es steht außer Frage, dass die Zahlen  erfüllt werden müssen,  dies kann allerdings nur im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben und der  geltenden revierbezogenen Abschusspläne  erfolgen.

Die Jagd ab August muss, auch wenn es vielen, mir auch, widerstrebt, den Kälbern gelten, damit dann nach der Brunft  ab Anfang Oktober erfolgversprechend nicht mehr führende Alttiere bejagt werden können. Das ist nicht einfach, da die meisten Alttiere, die ihre Kälber verloren haben, über Wochen und manchmal  Monate abtauchen. Die Einzeljagderfolge werden daher überschaubar bleiben. Was bleibt nun, um die Abschusspläne bei den Alttieren  „sauber“  zu erfüllen, sind großräumige Bewegungsjagden ab Mitte Oktober. Die Entwicklung der Jagdausübung der letzten Jahrzehnte hin zu Bewegungsjagden soll Störungen und überzogenen Jagddruck verringern und gleichzeitig die Abschussplan-Erfüllung voranbringen.  Dies ist richtig und gut, es liest sich leicht, ist aber eine enorme Herausforderung für alle Beteiligte.

Bewegungsjagden, bei denen Alttiere freigegeben werden sollen, sind Profiarbeit und nichts für Gelegenheitsjäger. Am Anfang steht  dabei die Auswahl der Stände. Der richtige Jagderfolg beginnt mit dieser Auswahl. Und es steht außer Frage, dass nicht von allen Ständen  Alttiere erlegt werden dürfen. Hierzu sind nur Stände geeignet, die eine Rundumsicht von mindestens 100 m haben. Die Freigabe durch den Jagdleiter muss dies klar ansprechen, einschließlich  Konsequenzen bei Verstößen.  Geschieht dies nicht oder nur unklar, dann nimmt der Jagdleiter billigend in Kauf, dass z.B. führende Alttiere erlegt werden. Er wird damit mitschuldig bei Verstößen gegen § 22 BJG. Die Freigabe kann bei den Alttieren nur lauten:  „ Alttiere können nur dann erlegt werden, wenn zuvor das dazugehörige Kalb erlegt wurde. Einzelkommende Alttiere  erfordern      eine einzel- jagdartige Situation, d. h. vertrautes Anwechseln ohne Hunde oder Treiber in der Nähe.  Alttiere aus Rudeln sind nicht frei“.

Nach Ende der Jagd ist es zunächst Aufgabe der Ansteller, eventuelle Nachsuchen zu sichern und die erlegten Stücke in Augenschein zu nehmen, die Schützen und ggf. die Nachbarschützen zu befragen, falls zum Beispiel  Alttiere mit Gesäuge erlegt wurden.  Dem Jagdleiter ist entsprechend zu berichten.

In kleineren Revieren sind meist nur wenige Stücke im Abschussplan, eine Überschreitung ist daher trotz der 30%Klausel schnell möglich. Eine Erweiterung der Vorgaben muss im Vorfeld geklärt werden. Eine weitere Möglichkeit, Abschussplan-Überschreitungen zu verhindern, ist der lokale Zusammenschluss zu sogenannten Gruppenfreigaben oder in Absprache mit der HG/UJB eine Umverteilung (§ 26 b (2) HJagdG) vor der Jagd. Eine Gruppenbildung mit weit entfernten Jagdbezirken entspricht weder wildbiologischen Aspekten noch einer Notwendigkeit. Der Erlass  vom 23.12.2005, (StAnz. 4/2006 S. 243) ist zu beachten.

Schlussbemerkung

Ein an die Biotopkapazität angepasster Wildbestand ist Voraussetzung für die  Erhaltung aller Wildarten. Das Rotwild als Leitwildart stellt dabei an uns eine besondere Herausforderung dar.  Dabei kommt dem Management der Zuwachsträger eine herausragende Bedeutung zu. Unter diesem Aspekt wollen wir das Rotwild nicht als Schädling, sondern als Teil der Landschaft begreifen.

Unsere Rotwildjagdzeiten in Deutschland sind generell zu lang. Wer Schälschäden ernsthaft verringern möchte, muss unter anderem den derzeit  herrschenden ganzjährigen Jagddruck abbauen, d. h. Jagdzeit-Ende in Revieren mit der Leitwildart Rotwild zum Jahresende. Jagdzeiten für diese empfindliche Wildart im Mai oder Januar sind absolut kontraproduktiv und provozieren geradezu erhöhte Schälschäden. Daher kann man auch mit falschen Jagdstrategien mit einem geringeren  und/oder angepaßten Rotwildbestand höhere Schälschäden „produzieren“.

RL

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© Jürgen A. Schmidt

Neue Wege zu beschreiten, heißt auch offen dem Neuen gegenüber zu sein!